CeBIT 2001

Das grösste internationale Zusammentreffen von Infektionskrankheiten hat seine Pforten geschlossen. Ich war wie jedes Jahr fast jeden Tag dort und pflege jetzt meine eitrige Mandelentzündung.

Das Motto der CeBIT war wie letztes Jahr x-Commerce. Wobei das x durch einen Beliebigen Buchstaben des Alphabets zu ersetzen ist. Zugrunde liegt allen x-Commerce Formen die irrige Annahme, dass die Menschen immer und überall nur hirnlos kaufen wollen. Jetzt haben irgendwelche bekifften IT-Kaufmänner sich gedacht, was im Internet nicht funktioniert, funktioniert sicherlich übers Handy und nannten ihre bescheuerte Idee M-Commerce. Und bald schon wird sich WAP wie der Phoenix aus der Asche erheben und wir können fröhlich per Handy unsere Pizza bestellen. Ganz toll! Alles wird möglich: Im Restaurant sitzen und sich das Essen per Handy bestellen oder schnell einen Schmöker für die Strassenbahnfahrt zur nächsten Station liefern lassen. Ich habe sooo lange auf diese fantastischen Möglichkeiten warten müssen und jetzt sind sie endlich in greifbare Nähe gerückt!

Neben den lächerlichen und aufgeblähten Totgeburten des x-Commerce gab es auf der CeBIT nichts wirklich aufregendes zu sehen. Alles nur absehbare Entwicklungen, die man dort mal in RL angrabbeln konnte. Vieles wurde kleiner und Leistungsfähiger, wie z.B. die zahlreichen PDAs, die inzwischen mit gutem Funktionsumfang recht erschwinglich geworden sind, und – dank Windows CE – nun auch abstürzen können. Aber auch einige Schrumpf-Linuxe sind inzwischen auf den Zwerg-Computern zu finden. Wenn andere ihre Termine verwalten kann man halt auf Linux-PDAs noch nebenbei einen Webserver laufen lassen und per GRPS und SSH einen Server administrieren. Schwachpunkt ist allerdings die Geschindigkeit. Ein komplettes Linux in der Westentasche mit sich herumtragen zu können eröffnet eine ganz neue Dimension des M-Commerce: Nicht überall kaufen, sondern dank PDA-Web-Shop immer und überall VERKAUFEN zu können.

Wieder ein grosses Thema waren natürlich alle Arten von Mobilfunkgeräten, wobei besonders die I-Mode Geräte aus dem grauen WAP-Geplätschere hervorstachen. Mit Java, Farbdisplays und zahlreichen Applikationen und Sites eine recht Cute und evt. sogar n¬®tzliche Idee, die uns aber in unseren GSM Netzen nicht so bald heimsuchen wird.

Im Job-Forum herrschte die grösste Dichte von Werbeschenken, was schliessen lässt, dass der IT-Fachkräftemangel noch nicht behoben ist. Ich jedenfalls habe meine Jahresmenge an Kugelscheibern, Post-It Blöcken und anderen Büromaterial locker zusammenstellen können, und das bei nur 130 Mark für die Dauerkarte. Die Folgekosten werden allerdings gewaltig sein: 1800 DM für eine neue Digitalkamera, denn 10-fach-Zoom ist halt toll, mindestens 3000 DM für Notebook und PDA, denn das braucht man heut zu Tage, und and die Behandlungskosten meiner internationalen Infektionskrankheiten möchte ich garnicht erst denken. Gut, dass ich selbst noch im Fieber eben genannte Artikel per M-Commerce bestellen kann…

Mit dem Zug von der CeBIT zum Hauptbahnhof zu kommen war dieses Jahr – trotz der tollen Expo – eine Qual, deshalb versuchte ich es auch nur einmal. Der bereitgestellte Zug war schon total überfüllt, deshalb hiess es auf den Nächsten warten, was laut Fahrplan eine halbe Stunde dauern sollte. Mit einer Bummelbahn konnte ich dann doch den Hbf schon nach EINER STUNDE erreichen! Danke, liebe Bahn!

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