Das lächeln interferierender wahrscheinlichkeitsvektoren im quantenuniversum

BaumEin schnarren, ein forderndes schnarren klebt sich in meinen schlaf hinein, sucht ihn zu beenden. Die augen quietschen, brennen trocken in den neuen tag. Warum ist es elf uhr? Warum hat da wer geklingelt? War es die nachbarin, die ihr paket abholen will, welches ich gestern entgegennahm? Elf minus sechs ist fünf. Fünf stunden habe ich also geschlafen. Der körper bringt seine freude über den kurzen schlaf mit spontanverspannung zum ausdruck. Durch die vorhänge tastet sich ein trüber vormittag in den raum und die knochen sind schwer wie uran.

Was war gestern doch gleich? Administrative massnahmen nach selbstverschuldetem ausser funktion setzen des cms und lesen der eu-verfassung mit angemessenem pathos. Deshalb findet sich kein gedanke, geschweige denn ein schöner im kopf. Der ist leer, und bleibt im leerlauf bis zum ersten kaffee.

Der funkfernsprecher zeigt einen donnerstag als namen für den heutigen tag an. Heute bin ich verabredet. Um siebzehn uhr beim ritterspectaculum in herrenhausen, hier in hannover zum zwecke der besprechung eines meiner projekte.

Nach wiederholter erfolgskontrolle (was das studium der log-dateien dieser website meint) und einigen nebenbetätigungen im dunklen hannover , kommt der zeitpunkt an aufbruch zu denken. Dieses jämmerliche und stinkende etwas verwandelt sich unter der dusche zu einem menschen; endlich wieder ohne bedenken »ich« sagen können – die erste freude an diesem tag

Einziges hindernis auf dem weg zur verabredung: geldabheben – dafür muss ich in entgegengesetzte richtung. Ein psychischer widerstand. Doch sei es drum. An der haltestellte des vergeblichen wartens tönt das horn des verkehrsunternehmens: »Aufgrund eines pkw-unfalles kommt es zu verspätungen der linie 5. Bitte haben sie etwas geduld!« – sicherlich, schliesslich ist die zeit nicht knapp. Wird sie aber. Immer mehr. Warten. Gedanken. Warum zeichnen sich solcherlei unfälle am ereignishorizont des öffentlich-mobilen lebens nur ab, wenn eine verabredung ansteht? Oder ereignen sie sich, weil ich eine verabredung habe? Eine wahrhaft dem narzissmus schmeichelnde überlegung. Aufgeben. Zu fuss gehen. Jetzt ist die zeit, zu der ich in herrenhausen sein wollte. Der geldautomat fordert pin und betrag. Spannung. Scheine. Die aura einer migräne senkt sich auf meinen kopf. Ich bin zu spät. Aus verzweiflung kaufe ich eine 1000 meter rolle schwarzen garnes. Der meter kostet 0,1 cent – erfreulich günstig und sinnlos aber dafür viel. Die pappspindel auf die es gerollt wurde ist ebenfalls erfeulich schön.

Neben überlegungen, wie die mechanik einer garn-aufroll-maschine gebaut ist und funktioniert, schleicht sich ein weiterer gedanke in meinen kopf und wird fühlbar. Das war es, warum sich die welt heute den ganzen tag schon so merkwürdig anfühlte: Die direkte wahrnehmung von kollabierenden wahrscheinlichkeitsvektoren. Interferenzen von wahrscheinlichkeiten im universum. Quantenphysik, makroskopisch und hautnah. Hannover ein doppelspalt für scheisse. Ein unfall der denen golt, die verabredet waren. Schon viel zu spät, der kopf wie verspanntes glas. Immernoch trüber himmel aber schon viel zu warm für meine jacke. Unwohlsein. Und die feststellung, dass der tag erstmal gelaufen ist.

Ein paar bahnen wurden als ersatzverkehr vom nahen betriebshof fuhsestrasse entsandt. Davon möchte ich eine nutzen. Vorher jedoch ruft die apotheke. Ibuprofen 400mg wird den schmerz vermutlich etwas lindern. Zuhause ein paar stunden ruhe und gelegenheit die konfiguration des scheisse-doppelspaltes ohne mich sich ändern zu lassen. Das »Guten tag, die fahrkarten bitte!« kann ich für mich nur mit einem lächeln kommentieren, war ich doch schlau genug, mir einen gültigen fahrschein in die hosentasche zu denken. So nun nicht, liebes universum, so nun wirklich nicht!

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