NASA beschiesst Tempel / Schlaflos in hannover

080Heute ist einer dieser tage. In wenigen stunden steht der einschlag des impactors auf dem komet Tempel bevor. Der impactor soll um etwa 7:50 auf Tempel eischlagen und etwas materie aufwirblen, die vom fly-by genauer analysiert werden kann. Während des abstiegsvorganges werden bilder aufgenommen, um auf die struktur und den aufbau des cometen schliessen zu können.

Dieses durchaus wichtige astrophysikalische experiment wollte ich mir live auf NASA-tv ansehen – internet machts möglich -, da es dort live übertragen wird. Es ist halb fünf und ich bin aufgewühlt – schon seit einigen tagen. Die kreativität brütet in mir. Auch nachts, wenn ich schlafen will, verschont sie mich nicht. Die gedanken kreisen und immer ist im kopf ein gefühl nicht alles abgechlossen zu haben. Durch diese gedankenlabyrinte entstehen notizen, welche, wenn ich sie nicht sofort wegnotiere, in meinem kopf kreisen und mich nicht schlafen lassen.

Für meine normale andauernde depression und den relativ harmlosen grübelzwang benutze ich schon seit einem knappen jahr schlafmittel. Das ist ja auch voll ›trend‹. Einzig und allein, um das grübeln abschalten zu können. Doch die psychischen energieen, die in den letzten tagen in mir wüteten, lassen sich davon nicht beeindrucken. Was im normalfall, einer etwas depression gut hilft und mir einen normalen tag-/nachtrhythmus ermöglicht, hilft hier nicht. Das was sich in mir zusammenballt, bereichert durch ein paar marginale, aber trotzdem auf der psyche lastenden problemen, lässt sich nicht so einfach chemisch wegschalten.

In der letzten stunde nahm ich vier schlaftabletten. Der verfluchte kopf denkt weiter, brütet auf etlichen ideen herum, alles ins nichts denken hilft nicht und alle chemischen mittel bringen nichts. Hirn bleibt relativ unbeidruckt davon. Körperlich sieht es anders aus. Auf dem weg vom bett (in welchem ich zwei stunden lag) zum rechner, packte ich mich zwei mal auf die fresse, weil ich kaum noch richtig gehen kann – der muskeltonus ist stark herabgesetzt. Das sehen ist auch etwas ›runder‹ geworden und allgemein würde ich sagen, dass ich für das am-rechner-sitzen viel zu entspannt bin.

Mit der mittleren depression habe ich gelernt zu leben. Zopiclon (das schlafmittel) unterbricht den teufelskreis von sich verschiebenen tag-nacht-rhythmen und befähigt mich so, am zwischenmenschlichen leben teilzuhaben. Doch in den kreativen, etwas manischen phasen meiner krankheit, auch während situationen, die posttraumatische belastungsreaktionen (vermutlich eine nachwirkung von krebs und chemotherapie) bei mir hervorrufen, hilft das nicht. Diese nächte ohn vernünftigen schlaf zähren an meinen nerven und an meiner gesundheit. Dann lieber chemie und frieden und nachtschlaf.

Nun werde ich in zwei bis drei stunden, ziemlich müde, dieses wissenschaftliche experiment verfolgen dürfen – nicht grad die besten voraussetzungen um viel davon mitzubekommen.

Psychoanalytisch wurde mir neulich klar, dass hinter der schwelle zum schlaf für mich der tod wartet. Während meiner chemotherapie war der tod nahe – ich hätte auch am krebs sterben können, konnte kaum schlafen, aufgebracht und aktiviert durch das cortisol das den körper wachpeitschte und auf 180 laufen liess, den ganzen tag, vier mal fünf tage in folge. Es war ein leben, oder besser siechen im dauerstress. Und ich vermute die ›stressachse‹, das regelsystem für verschiedene endokrine drüsen ist dabei noch mehr aus dem lot gekommen, als es durch die jugenddepression eh schon war und verhindert so natürlichen erholsamen schlaf.

Was ich schon alles erlebte, wie widerspenstig der körper verhält, wenn man versucht zu schlafen und die nebennierenrinden schütten literweise cortisol aus. Es ist die hölle. Dann fängt es hier und da an zu jucken und man kommt nicht ran, weil man grad gut verknotet und er lieblingsschlaflage liegt. Dann fängt die nase an pfeifgeräsche beim atmen zu machen. Und im aktivierten zustand durch das cortisol kann man es dann auch nicht ignorieren. Beim reiben der müden augen splittert eine wimper ab und gerät ins auge. Dort brennt uznd drückt sie und lässt sich nur noch mir einem q-tip herausfischen. Danach fühlt sich das auge geschwollen und gereizt an und tränt lustig vor sich hin. Dann findet man keine gute schlafstellung mehr, liegt auf einer defekten feder der matratze; entweder es drückt nur unangenehm oder ein bruchteil der feder bohrt sich in die rippen. Noch eine sirrende mücke dazu – und an schlaf ist kaum mehr zu denken. Danke auch, liebes universum.

Doch eigentlich war heute ein schöner tag. Es war warm, ich konnte meine galerie um einige photos ergänzen. Habe ein paar kleinigkeiten erledigt. Habe das NASA-pre-impact-briefung gesehen. Aber solche störungen wie diese nacht, können einen schönen tag schnell vergällen. Draussen geht bald die sonne auf und selbst der bäcker hat schon offen. In anderthalb stunden will ich also aufstehen. Mal sehen, ob das klappt – bzw. ob ich überhaupt noch schlaf finde.

Comments 1

  1. seaboot wrote:

    Hallo,
    gibt es keine aktuellen Artikel über Schlaflosigkeit? Von Tabletten gegen Depressionen u.Schlaflosigkeit halte ich nichts. Hast du es schon mal mit ZEN versucht? Bei uns gibt es einen alten Spruch:“ du bekommst nicht mehr als du tragen kannst“. Manchmal schlafe ich gar nicht, dafür die nächste Nacht umso besser.
    Seaboot

    Posted 28 Jun 2009 at 2009.178 23:46

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