Schützenfest ist schlimmer

Ich betrete an diesem samstag morgen gegen vier uhr die strassenbahn richtung mein bett. Irgendetwas ist hier anders. Ich kenne bahnen um vier am wochenende. Hier ist es anders. Sehr viele sind so besoffen, dass sie nur noch dösen. Sie sehen erschöpfter aus, als jene, die aus den discos kommen. Ich erinnere mich: es ist schützenfest

Das war eine erinnerungsherausforderung, denn ich meide solche veranstaltungen. Sie sind eine beleidigung für alle sinne – und das gleichzeitig. Es riecht nach vielem leckeren junkfoot, doch die komposition aus den einzelgerüchen macht daraus einen aufdringlichen gestank. Die fahrgeschäfte blinken bunt, flackernde strobos. In den gassen die besoffenen mit ihren gelaugten körpern und dieser angesoffenen stimmung zwischen glückloser und verspannter ausgelassenheit und aggression. Auf den wegen stapelt sich der müll, nahrungsreste zermatscht.

Viele fahrschäfte dröhnen verzerrt schon aus der ferne den letzten chart-schrott und ballermann-hits. Aus den bierzelten werden diese für gewöhnlich auch noch mitgesungen. Und dieses stinkende, dreckige, kakophonische etwas tun sich menschen an und es ist einer der höhepunkte des jahres für sie.

Mich widert diese enthirnte, brachiale, die sinne beleidigende veranstaltung einfach nur an. Dann lieber in einer horde affen sein. Diese verhalten sich zivilisierter.

Die bahn in der ich sitze fährt über unebenheiten im gleis. Die besoffenen, dösenden menschen schlenkern etwas in ihren sitzen, synchron. In der ecke, vorn beim fahrer hat jemand einen mageninhalt auf den boden entleert. Überall in der bahn sind grüne glassplitter von flaschen, umgeben von trocknendem bier. Ein paar gröhlen noch besoffenen blödsinn. Es stinkt nach bier. Hier ist der feiernde mensch, die krone der schöpfung: frustriert, besoffen und stinkend nach ihrem spass. Ins bett gehts für sie und für mich wieder allein. Schade, keine nette dame zum vögeln abgeschleppt. In meinem zustand könnte ich dies theoretisch noch. Jene anderen offenbar nicht mehr.

Und eines schwöre ich mir. Ich werde auch weiterhin das schützenfest nicht besuchen. Das ist kein ort für menschen.

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