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Liebes internettagebuch,

heute nach dem aufstehen, dem kaffeemachen und dem ablassenen des über nacht angefallenen urins aus meiner blase, war ich schon ganz hibbelig bei dem gedanken, gleich zu erfahren, ob irgendwer auf meine troll-postings geantwortet hat. Also fuhr ich den rechner hoch und spülte mit dem bis dahin fertigen kaffee eine prozac runter, um ebenfalls hochzukommen (also geistig, mental oder sonst wie – nicht phallisch; das wär dann viagra gewesen), nahm etwas nasenspray gegen den mich quälenden schnupfen, eine ibuprofen gegen die kopfschmerzen. Erfreut stellte ich fest, dass meine streptokokken-infektion im abklingen begriffen ist und ich bald wieder meine volle leistungsfähigkeit bezüglich anzüglicher forumsbeiträge erreichen werde – wenn mir nicht eine vogelgrippe dazwischenkommt, an der wir ja alle bekanntlich bald verenden werden, wie das arme federvieh.

Beim durchsehen der von mir verunstalteten threads registrierten meine verschlafenen augen eine gewisse aktivität im forum – und das zu dieser unmenschlichen uhrzeit.

DeathDealer hatte irgendwann kurz vor sechs uhr geschrieben, dass er einen schönen abend im base hatte. Da bin ich richtig neidisch geworden und habe es bereut nicht hingegangen zu sein.

BlackLilith hatte bereits um neun uhr mein internetagebuch gefunden. Sie war nicht nur so frech es zu lesen, was man ja eigentlich nicht macht, sondern schrieb sogar etwas rein. Wenn das nicht dreist ist. Sie schrieb, ich solle mich hier ruhig weiter exhibitionieren und das sie schon darüber nachgedacht hätte, ähnliches zu tun. Einen menschen mit einem so knuffigen nick und so einer einstellung würde ich gern mal kennenlernen. Zu DDs anmerkung zu seinem schönen base-abend äusserte sie die hoffnung es nächstes mal auch dort hin schaffen zu wollen. Vielleicht gehe ich dann auch hin um mich für ihren zuspruch zu bedanken.

Jetzt werde ich ersteinmal von einem weiteren kaffee meine übriggebliebene morgenmüdigkeit verscheuchen lassen und mir überlegen, wie ich an etwas zu essen komme, da ich ja mein gesamtes monatsrestgeld für einen mikrophon-röhren-vorverstärker ausgeben musste. Danach werde ich mir überlegen, was ich mit diesem nicht mehr ganz so schönwettrigen tag anfange. Ob ich vielleicht mal alle meine pfandflaschen in geld umsetze, um mir das grablicht leisten zu können. Wir werden sehen.

Einen schönen tag noch,
liebes internettagebuch.

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