LARP?

Liebes internettagebuch,

das geht ja heute schlag auf schlag. Kaum etwas geschrieben und schon schreibt BlackLilith etwas dazu. Neben der frage, was eigentlich larp-zeitschriften sind (immer wieder muss ich feststellen, wie unwissend ich doch bin) beschätigt mich ihre von „tussi-zeitschriften“ wiedergegebene aussage, dass 73 prozent der frauen nur bei der masturbation einen orgasmus erleben. Es überkommt mich ein tiefes schuldgefühl, dass es bisher erst so einer geringen anzahl von frauen vergönnt war, durch mich extatische lust zu erleben. Das lag vermutlich vor allem an meinem spätstart in die welt der hemmungslosen körperlichkeit, an meiner treue und an der länge meiner beziehungen, die ein beglücken von mehr angehörigen des schönen geschlechts verhinderten.

Ausserdem überkommt mich ein tiefes gefühl der scham, bei dem gedanken einem geschlecht anzugehören, welches vermutlich auch einen beitrag dazu leistet, dass so viele frauen selber hand oder was auch immer anlegen müssen. Was kann denn schöner sein, als selbst grund für den orgasmus einer frau zu sein – nach dem motto: „Deine lust wird meine lust“. Also etwas mehr mühe bitte, liebe herren, sonst verkommt die nahe zweisamkeit doch nur zur onanie in der vagina der frau. Sex ist doch nur schön, wenn die beteiligten versuchen gegenseitig ihre geilheit zu steigern, sonst kann man doch gleich das surrogat aus gummi besteigen.

Nein, nein, das sinnliche erfahren eines anderen körpers ist das, was bei der onanie fehlt. Das verschenken und geschenktbekommen von lust. Diese ganzen sinnesreize. Diese wärme. Und warum duften diese engel auch immer so gut? Muss mann dafür, dass man dies erleben darf, ihnen nicht mit allen mitteln „danke“ sagen?

Eh´ ich mich jedoch weiteren lustvollen koitusgedanken, dieser unzureichenden, verhirnten verpaarungs-simulation hingebe und womöglich noch die tastatur mit meinem eiweiss verklebe, gehe ich lieber dazu über auch mal die weibliche beteiligung an den 73 prozent zu beleuchten: Wer vortäuscht hat ohnehin selber schuld. So ändert mann sich nie. Und wenn man kein besonders verklemmtes individuum vor sich hat, wird typ auch nicht gleich impotent oder fühlt sich gekränkt. Wo ist die, der holden weiblichkeit nachgesagte empathie, wenn es um soetwas geht? Und liebe frauen: Männer sind dumm und bedürfen – bis auf wenige ausnahmen – einer gewissen anleitung, wenn es um eure multidimensionale lustgewinnung geht. Mann überträgt gerne von sich auf andere, weil das für ihn, als normalerweise kommunikationsbehinderter, der natürliche weg ist, auf die bedürfnisse von anderen zu schliessen. Beim sex sagt er sich dann häufig: das ding reinstecken und rubbeln macht mir spass, also wird das bei ihr auch so sein. Und da mann sich auch meist aus faulheit nicht weiter mit den anatomischen gegebenheiten seines weiblichen gegenüber auseinandersetzt, und es nie gelernt hat, auch während aktutem libidostau höhere gehirnfunktionen anzuwenden, bleibt es meist beim kanninchenhaften-drei-minutengerammel. Wichtig ist, liebe frauen, die eigenen wünsche auch klar zu artikulieren. Denn: Männer sind dumm und wenig begabt nonverbale-hinweise richtig zu interpretieren. Also.

Und wenn alles nichts hilft: Schiesst den typen in den wind und nehmt mich, denn ich bin oralfixiert (was sehr vorteilhaft beim cunnilingus ist), stehe auf taktile reize in verbindung mit ausgeprägten manuellen fähigkeiten, lasse mir viel zeit und bin bereit eure gesamtheit in aller tiefe und hingebungsvoller zärtlichkeit zu ergründen. Ich bin da für eure lust, meine engel!

Schade nur, dass ich ansonsten eine vollklatsche habe, in dem maasse in welchen ich grössenwahnsinnig bin, ich mich als beziehngsunfähig erweise und insgesamt eine für die meisten damen recht unerträgliche lebensführung habe. Ansonsten zwingt mich mein narzissmus, mich durchaus schnuckelig zu finden. Na ja, man kann nicht alles haben. Wer schreiben will, muss eben leiden. Und der schmerz der einsamkeit ist auch immer wieder quell der inspiration. Wenn doch da nur jemand zum knuddeln und kuscheln in meinem kalten universum wäre. Jene nähe ist doch wesentlich essenzieller als sex.

Doch bevor ich in noch trübere gewässer meines denkens hinfortsegele, beschliesse ich lieber diesen eintrag und gehe in mein warmes kleines weltflucht-bettchen, lösche das licht und zünde mir meine kerzen an. Nein, lieber umgekehrt, weil ich mir sonst auf dem weg durch den dunklen raum zum anzünden der kerzen auf meinem nachttischchen sicherlich durch anecken an den im dunkel der nachtunzeit nicht sichtbaren, im weg ständigen gegengeständen den einen oder anderen zeh bräche. Vielleicht schreibe ich noch das eine oder andere gedicht und wundere mich morgen beim aufstehen über die salzigen krusten der über nacht getrockneten tränchen meiner durch das leben nicht mehr ganz so strahlenden, schon etwas matten blauen augen, in die sich in der letzten zeit niemand mehr verliebt hat. Und das mit Franziska ist ja jetzt auch schon weit über ein jahr her.

Ach, du! Wo birgst du dich, unbekannte schöne, der ich diese liebe schenken kann? Wo fehle ich?, frage ich halber der ganz mit dir zu sein sich wünscht. Wo sind unsere kleinen universen zu zweit für die kalten tage der welt; fehlst du in meinem kopf als wärmender strom von gedanken. Wo gibt es dich nur?

Gute nacht und süsse träume,
liebes internettagebuch.

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