Ich sah

Ich sah singende, gröhlende tulpen im stadionlärm
sah bälle über die mattscheibe fliegen,
johlend, brüllende menschen, mit ihrer kriegsbemalung –
manchen entglitt die maske: darunter das grunzende,
enthemmte tier mit dem mord im auge.

Ich sah countdown-zähler, so gross, als verkünden sie
die apokalypse, sah jederlei produkt in den regalen
bedruckt mit fussbällen, in fussballform, mit fussballwecker
als dreingabe (es handelte sich um eine mundspülung)

Ich sah sondersendungen – mal wieder – wie wichtig doch
der könig fussball sei – mit dem „kaiser“, mit intellektuellen
mit leuten die sich in der lage sahen, zu dem wahnsinn
stellung zu beziehen.

Ich sah fast nichts anderes in der letzten zeit. Nur bälle,
hohle bälle, leere bälle – und worauf man meditiert, dazu
wird man. Der krieg zu gast bei freunden kann beginnen.

Das logo: erheiterte zuschauer, mit verspannten gesichtern,
in ihnen lächeln bis zur besinnungslosigkeit, eines versprenkelt
freudentränen. Ein grosser spass – vermutlich mit bundeswehr –
man weiss ja nie.

Ein fest der nationen, ein ritualisierter krieg jeder gegen jeden.
Diesmal verrät Judas sich selbst, ein anderer, viele andere
zählen die silberlinge.

Häuft den ramsch, gröhl, feuert an in den schlachten
und bunter
und mehr werbung
und noch mehr werbung
bis zum ersticken
und gröhlen gröhlen gröhlen saufen saufen saufen.

Fussball ist unser leben
führer fussball regiert die welt.

Dann auf, schmierwänztige siegesgröhler
vor der glotze! Und darauf ein dreifaches
Sieg heil! Sieg heil! Sieg heil!

Die welt zu gast bei freunden – wo ist mein freund, irgendwo im ausland, weg von diesem irrenhaus, wo kann ich noch gast sein?

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