Der Zahn

Der tag begann mit zahnschmerzen. Davon aufzuwachen ist unangenehm. Vor allem, wenn der schmerz anhält und sich weder durch ibuprofen noch mit novalgin beseitigen lässt. Was vor einigen tagen als leichte reizung anfing, war nun zu einer dicken hamsterbacke geworden.

Nach langer, schmerzfreier zeit also mal wieder zeit zum zahnarzt zu gehen. Die schmerzen während und nach den letzten behandlungen hatten mich diesen berufsstand meiden lassen. Ich erwählte mir einen neuen, nähergelegneren doktor, als beim letzten besuch – nur etwas 100 meter luftlinie entfernt und auf empfehlung.

Die wartezeit war auch ohne termin recht kurz. Etwa eine viertel stunde. Es kam mir vor, wie die ewigkeit. Was würde mich erwarten? Natürlich ersteinmal die frage, was denn nicht in ordnung sei. Nach kurzer beschau des kariösen und schmerzenden zahnes, gab es auch schon eine anästhesie. Aus dem betreffenden zahn fiel mir einst eine füllung heraus. In den letzten tagen hatte sich dann eine deftige entzündung am kiefer gebildet. Lange zeit blieb das ding jedoch schmerzfrei. Aber eben nur bis zu den letzten tagen… Dann ging es kurz zum röntgen und einige minuten später sirrte auch schon der bohrer.

Ich verstehe nicht, warum viele menschen das geräusch dieses bohrers als unangenhem empfinden. Der langsam drehende bohrer, der danach kommt und von dem der ganze kopf vibriert, verursacht doch meist die grösseren schmerzen.

Nach längerer entfernung des zahnmatsches machte sich der arzt ans füllen. Und fertig war es auch schon. Ich bekam noch ein rezept für ein antibiotikum und ein schmerzmittel. Zusätzlich gab es für mich noch einen neuen termin – für den anfang der ruinensanierung. Da es bereits kurz vor ladenschluss war, eilte ich zur apotheke und holte die medikamente ab. Das schmerzmittel kannte ich: Nedolon, also paracetamol und codein. Das hatte ich schonmal gegen migräne.

Wie schon so oft war das abklingen der betäubung unangenehm. Ein dauerndes zwacken und stechen. Ab und zu ein gefühl, als wenn man mit einer amalgamfüllung auf alufolie beisst. Irgendwann konnte ich dann wieder meinen ganzen mund fühlen. Der zahn schmerzte immer noch. Dies fand ich jedoch nicht verwunderlich, da alles durch die behandlung gereizt wurde.

Erste nedolontablette. Nach einiger zeit keine wirkung. Zweite nedolontablette. Und noch eine ibuprofen dazu. Wieder keine wirkung. Nachdem ich einen kaffee getrunken hatte, fiel mir wieder ein, warum ich nedolon nicht mehr gegen die migräne nehme: Eine merkwürdige wechselwirkung mit kaffee. Nach einer viertel stunde dann die ersten magenkrämpfe, in ihrer intensität zunehmend. Toll, zahnschmerzen und kolikartige krämpfe. Ab aufs klo, erstmal den mageninhalt inspezieren. Schön, ich hatte schon ganz vergessen, wie galle schmeckt und wie buttersäure riecht. Die schwallige entleerung meines mageninhalts in die toilette und teilweise daneben, rief es mir wieder ins gedächtnis. Die hose hatte auch einige der duftenden spritzer abbekommen. Nach dem spülen, erneuten spülen, zähneputzen, noch einmal spülen, sah ich ein, dass der geruch anhänglich ist und ich nun besser den ort des geschehens verlassen sollte.

Der magen beruhigte sich kurzzeitig, es war jedoch ein zweites “das plockige muss in das weisse” nötig um ihn ganz ruhig zu stellen. Nach der strapaze waren jedoch die zahnschmerzen noch immer vorhanden – es hätte mich auch gewundert wenn nicht. Eine abgelaufenes antacidum um säureschäden vorzubeugen, hinterher einmal 500mg novalgin. Wieder kein erfolg.

Im laufe des abends tastete ich mich an die maximal zulässige dosis aller schmerzmittel heran, die ich vorrätig hatte. Ohne erfolg. Essen und trinken konnte ich schon wieder. Es verschlimmerte den zustand nicht und war wegen der gähnenden leere im magen auch von nöten.

Etwas spazieren gehen verschaffte mir linderung, etwas ablenkung von den schmerzen. Jene waren jedoch gleich wieder da, wenn ich aufhörte durch die gegen zu latschen. Und das wollte ich nun wirklich nicht die gesamte nacht machen.

Also entschloss ich mich zu einer etwas aussergewöhnlicheren medikamentierung. Ich hatte einst gegen depressionen stangyl bekommen, hatte die einnahme allerdings recht früh wegen der zombifiezierenden wirkung des mittels aufgegeben und dementsprechend noch viele tabletten übrig. Ich wusste, dass dieses medikament auch bei der bahandlung von schmerzen eingestezt wird.

Also erstmal 50mg davon. Zusätzlich noch ein paar basilikumblätter zum kauen und hoffen. Nelken- und zimtöl hatte ich leider nicht da.

Und schon ist es fast vier uhr. Über den tag genommen habe ich 2,4 gramm ibuprofen, 2 gramm paracetamol + 120mg codein und 1,5g novalgin. Dann noch 50mg stangyl und zum schlafen 2x10mg zolpidem. Das kann nicht gesund sein…

Der schmerz hält sich grad in genzen. Mal sehen, wie die nacht verläuft.

 

 

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Trackbacks & Pings

  1. Zurück vom zahnarzt at Nachtgedanken um 01 Aug 2006 at 1:45 pm

    [...] Um 10 uhr erlangte ich mein bewusstsein zurück, nachem ich gestern gegen mitternacht recht erschöpft eingeschlafen war. Mein unterwegstelefon signalisierte mir beim ersten kaffee des tages, den anstehenden zahnarzttermin. Die nahegelegene gemeinschaftspraxis zweier brüder hatte ich neulich wegen starker zahnschmerzen aufgesucht. Das röntgenbild vom ersten termin zeigte ein panorama einer ruinenlandschaft in meinem mund. Schritt für schritt soll daraus jetzt wieder ein schönes motiv für die hochfrequenz-photographie werden. [...]

Kommentare

  1. Kurai kommentierte:

    Ach du Armer!

    Und ich kann so gut nachempfinden, was du durchmachst. Leider wirken sämtliche Schmerzmittel auf mich völlig narkotisierend…

    Ich hoffe, es wird alles wieder!

    Nelkenöl habe ich übrigens hier… wenn du willst?

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