Entwurzelt

Hinter der hecke, auf dem gelände vor der friedhofsmauer, welches vermutlich von der friedhofsgärtnerei bewirtschaftet wird: Ein gelber bagger. Sein fahrer schiebt die reste des alten zwetschgenbaumes zusammen und fort.

In den letzten jahren hatte er nicht gut getragen, wind und menschliche gewalt brachen einige dicke äste herunter, die dann monate an letzten starken fasern hängend, mahnend und etwas vorwurfsvoll von den insassen der vorbeifahrenden strassenbahnen ignoriert werden konnten.

Nun ist er weg. Es ist, als wäre er nie dort gewesen. Die hecke verdeckt den blick auf die wunde erde, die der bagger hinterliess. Die nachbarn, zwei apfelbäume, interessiert das wenig. An ihnen haben sich in den letzten wochen viele kleine früchte gebildet.

Wenn die früchte reif sind, werde ich mich wieder im schutze der dunkelheit durch einen spalt in der hecke schleichen. Mit einem beutel und der pflückhilfe, die ich einst von meinem opa ausborgte, werde ich äpfel klauen. Die pflückhilfe brauchte ich nicht zurückgeben. Mein opa starb dieses jahr. Jetzt starb der zwetschgenbaum. Bei einem stück apfelkuchen werde ich ihrer gedenken.

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  1. From Korrektur: Entwurzelt at Nachtgedanken on 01 Aug 2006 at 2006.212 13:53

    […] Im beitrag ┬╗Entwurzelt┬ź schrieb ich, dass ein zwetschgenbaum auf dem gelände vor dem friedhof gegenüber meiner wohnstätte entfernt wurde. Das stimmt nicht. Es wurde lediglich ein teil des baumes entfernt, der heruntergebrochen war. Das dichte laubwerk einer in der sichtlinie stehenden linde, hatte den blick auf den baum versperrt. […]

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