Schönheit

Der aussage des nachtwächters

»Jede bewegende Musik, ja, jedes bewegende Kunstwerk enthält ein starkes Element der Verzweiflung. Wenn dieses Element fehlt, wird das Werk als langweilig und Nichts sagend empfunden, es taugt bestenfalls noch zum Zweck der Dekoration oder Unterhaltung«

möchte ich an dieser stelle ergänzen. Völlig ausser acht gelassen wird hier die schönheit, die der verzweiflung nahezu diametral gegenüber steht. Verzweiflung ist nur der aufbruch in die beschriebene »bewegung«, nur die schönheit jedoch kann eine richtung in diese bewegung bringen.

Beides, verzweiflung wie auch schönheit, können alleinige elemente von kunst sein. Viele zeitgenössische künstler suchen diese beiden elemente mit berechtigung zusammenzufügen. Für eine nur-schöne kunst ist heutiges leben zu sehr not.

Kunst ist kommunikation. Im falle heutiger ›funktionsmusik‹ ist diese kommunikation auf die auslösung der immer gleichen dumpfen affekte, im immer neuem flickengewand der vorhandenen mittel reduziert. Diese art künstlerischen ›ausdrucks‹ möchte nur den ist-zustand fixieren. Aus den selben mosaiksteinen werden immer wieder neue bilder mit vertrauten motiven zusammengestellt. Dadurch findet der wunsch nach veränderung der drückenden verhältnisse, bei gleichzeitigem bestand von welt, von konstanz und einer sicherheit, die es nicht geben kann, eine scheinerfüllung.

Eine kunst, die nur verzweiflung ist, wird nie das gravitationsfeld des ist-zustandes verlassen können. Eine kunst die nur schönheit ist, vermag nur ein sehnen ohne raum zu schaffen. Beides zusammen in unterschiedlichen gewichtungen ist für unser hier und jetzt richtig.

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