Forellenquintett

Zu früh. Bäcker und kiosk haben auf. Ein frühstück. Über die umleitung eines schlechten filmes zum später. Einer dieser filme mit sprenghalsbändern für häftlinge gegen fluchtversuche. Wieder still. Wieder dieses gefühl aus rastloser müdigkeit und blei und dem unerbittlichen sog des jetzt.

1, 2, 3…

Zur bank. Der automat scharrt zwei scheine hervor. Zum arzt, rezept abholen – eine schlange bis vor die tür. Zur apotheke, rezept einlösen. Nach hause, vorbei an schulkindern mit schäppernden mobiltelefonen, an den zeitungsausträgern, vorbei an all dem alltag – falscher planet. Die erde um die linde am haus wird von blättern entharkt. Herbstkälte auf der fahrt durchbrach die kleidung: haut kalt, hals schmerzt – im kopf das rumpeln vor der migräne.

An die decke starren, auf die wirkung der schlaftablette warten. Gedanken: Auf dem weg zurück der blick eines mädchens aus gesunden, blauen und im kontrast zum grau des herum strahlenden augen. Die eingefallenen wangen von opa im hospiz und diese kranken schwachen augen. Die gedanken an den eigenen krebs, an die chemotherapie mit ihrer übelkeit, diesem heraussaugen der lebenskraft, bis man bleich mit glatzkopf vor dem spiegel steht und schon selber wie dieses verdammte krankenhaus riecht. Es ist jahre her. Die angst ist geblieben, die angst dass da mal wieder was entstehen könnte. Und die erschöpfung, die schnelle erschpfung seitdem. Die ideen kamen, als die kraft schon gewichen war. Leben auf sparflamme – es ist nicht mehr viel zum verheizen da.

Und was denkt man noch in die decke hinein? Diese paar wenigen liebschaften des lebens. Für ein wenig nähe und etwas samen in sie zu spritzen ist der preis zu hoch. Es ist zeitverschwendung und endet in gegenseitiger zerfleischung unter dem label freunde bleiben unzumutbar, dieser hormoncocktail. Ich bin so schmerzhaft resigniert. Falscher planet.

Nun wird die sicht trübe, zeit für die bettflucht, ein paar stunden nur, diese schönen wirren prozac-träume, ich mag sie wegen ihrer kamera, ihres drehbuchs. Weltfluchtfilme, die in mir gezeigt werden. Ich bin ein bewusstlos rumliegendes kino für meine eigenen filme. Danach bin ich weiter traurig und das forellenquintett geht mir am arsch vorbei.

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