Mysterien des alltags

Die aufklärung hat uns weitergebracht. Die meisten glauben nicht mehr an alben und kobolde. Die naturwissenschaft macht die welt weniger bedrohlich und vermag soetwas wie antworten auf unsere ständigen fragen zu geben.

Alles mist! Die welt ist in ihren innersten strukturen zutiefst unlogisch und die natur- und geisteswissenschaften scheitern bei den einfachsten rätseln des alltags. Teil eins der mysterien des alltags beschäftigt sich mit der umkehrbarkeit.

Viele menschen lesen die beipackzettel ihrer medikamente nicht. Trotzdem werden die informationsträger aus der verpackung genommen – und das aus gutem grund: In 84% der öffnungsereignisse verhindert der beipackzettel den zugriff auf die medikamente. Es ist erstaunlich warum die verpackung so häufig an der seite geöffnet wird, an der dieses stück papier lauert. In den restlichen 16% der öffnungsereignisse verhindert das störrische faltwerk das zurücklegen des tablettenriegels in die umverpackung mittels spontaner raumforderung in dieser.

Doch darum geht es gar nicht. Es geht vielmehr um das auseinanderfalten der gebrauchsinformation des medikamentes. Es gilt: Ein aufgefalteter beipackzettel kann nie wieder in die ursprüngliche form zurückgefaltet werden. Die möglichkeiten sind endlich und die wahrscheinlichkeit nicht gering, dass einmal einem mensch auf diesem planeten die rückfaltung gelungen sein muss. In der fachliteratur ist allerdings kein einziger fall bestätigt.

Von seiten der pharmaindustrie beruft man sich gerne auf betriebsgeheimnisse, wenn es darum geht, die funktionsweise für beipackzettelfaltmaschinen aufzuklären. Und nirgendwo gibt es diese maschinen zu kaufen, nicht einmal bei ebay.

Ein zweites phänomen der nicht-umkehrbarkeit ist bei gegenständen gegeben, die in kartons verpackt sind. Einmal entnommen, passen sie nie wieder in den karton – egal wie oft man es versucht. Nicht mit der materie vertraute menschen sagen oft, dass die gegenstände wohl grösser geworden seien, ha ha. Das stimmt aber nicht. Vielmehr handelt es sich um einen makroskopischen quanteneffekt, den es eigentlich laut gültiger theorie nicht geben dürfte. Die passwahrscheinlichkeit des gegenstandes im karton (Pp) ist vor dem öffnen gleich eins (=1). Nach dem öffnen sinkt die passwahrscheinlichkeit zum produkt aus dem quadrat der zeit und der umgebungstemperatur.

Und schliesslich: Das kind schafft es aus eigener kraft, ohne probleme, den kopf zwischen zwei stangen des treppengeländers zu stecken. Es braucht aber die feuerwehr und einen trennschleifer, um es aus dieser situation wieder zu »befreien«. Und obwohl in einem nicht unerheblichen teil der fälle das kind kranken- aber nicht haftpflichversichert ist, wird immer eine stange des treppengeländers abgetrennt, aber nicht der kopf des kindes.

Zum abschluss meiner betrachtung möchte ich ein zitat anbringen. Ein zitat eines menschen, der erfahrungen mit den mysterien des alltags hat, nämlich onkel Hotte:

»…als ich ans telefon ging, war niemand dran. Und das merkwürdige war: Es hatte noch nicht einmal geklingelt.«

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