Zu ostern hin

Mittlerweile ist der morgen von ostersonntag. Ostern ist wieder einer dieser festbezeichner, aus denen nicht unmittelbar hervorgeht, worum da eigentlich gefeiert wird. Ich nehme es mal etwas heidnischer und frühlingsfeiere die nächsten tage. Feiern in dem rahmen, wie es eine gewisse depressive grundstimmung zulässt. Der anbrechende frühling soll sich gefälligst wie einer anfühlen, das wünsch ich mir für diese woche.

Die gedankenkrakel des tages wollen nun ersteinmal niedergeschrieben werden – aus den kopf, aus den gedanken. Besserer schlaf ist meist die folge, wenn man den scheiss los ist.

Viel ist nicht passiert. Ein winzig kleines schläfchen befreite meinen kopf von der migräne, eine gewisse neigung des wiederkehrwillens dieses schmerzes war trotzdem den ganzen abend vorhanden. Viele möglichkeiten etwas zu tun gab es folglich nicht. Von save.tv waren inzwischen einige aufnahmen runtergeladen, zu sichten und ggf. verwerfen, denn neue warteten schon auf dem server. Das tat ich dann auch einige stunden. Kurz durchschauen, einige aufnahmen ganz anschauen, andere anspielen und gleich ins datennirwana schicken.

Weit nach drei war es schon und der schalter in meinem kopf für den aufräumfimmel klackte um. Abwaschen. Die armen nachbarn. Das klappern und klirren, das dumpfe rummsen beim anecken kann bei der vortefflichen leitfähigkeit für körperschall jeder nachbar herum hören. Beschwert hat sich niemand.

Die anstrengung forderte ihren preis: Tatternd, kurz vor eine leichten unterzuckerung holte ich die rührschüssel heraus – ein brot musste her. Während des backens dann zittern durch den niedrigen blutzucker und warten. Frisches und noch warmes brot, nicht vollkommen durchgebacken mit butter und waldfruchtkonfitüre – was besseres gibts kaum.

Empfängt mich morgen hübsches wetter, werde ich mal einen kleinen spaziergang in die landschaft machen. Mal schauen, was dort keucht und fleucht und sich filmen oder photographieren lässt. Schon viel zu lange her meine letzten draussenaufnahmen.

Langsam trifft mich – es ist inzwischen schon eine woche vergangen – die erkenntnis meine jugenderinnerungen nicht mehr über einen ort wiederherstellen zu können. Die inzwischen leergeräumte alte wohnung meiner oma, in der ich jahre der kindheit verbrachte und die mit so vielen erinnerungen angefüllt war ist jetzt kahl und leer.

Dort war es bei jedem besuch eine gewisse zeitreise, ein ort, an dem ich mich wohlfühlen konnte, an dem ich mit meinem jetzt-ich die zeit in die kindheit einfach übersprang und dabei den ganzen scheiss dazwischen weglassen konnte. Und diese dieses unbeschwerte der frühen jahre strahlte dort noch heute auf mich aus. Die welt in der kindheit war einfacher, durchschaubarer und noch voll so vieler fragen.

Durch solche verbindungen in die vergangenheit werde ich ruhiger, kann mich etwas entspannen und mich einigem minuten vor dem jetzt verstecken.

Das ist jetzt aus. Den jetzten ort gibt es jetzt nicht mehr, nicht mit seinen gegenständen, nicht mit einem ganzen erscheinungsbild. Die materiellen anknüpfpunkte sind auf dem sperrmüll und verbrand. Schon der tot von opa war schwer. Mir gehen die rückzugspunkte aus, orte bei den ich für mich sein kann.

Andere scheinen mit soetwas weniger probleme zu haben. Mich macht es traurig und es entsteht eine gewisse furcht in mir vor dem nächsten verlust.

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *