Geister der vergangenheit

Die nacht war kurz mit tiefsten schlaf. Halbwach aufs klo und zurück in den raum, hinter den vorhängen erstes dämmerlicht, ein glass wasser und ein zwanghafter gedanke: In meinem outlook und in meinem unterwegstelefon sind zu viele telefonnummern ohne sinn. Neulich legte ich mal die kategorie »altes« für nummern an, die ich seit langen nicht anrief und von deren besitzern lange kein anruf kam.

Wozu sollte ich diese telefonnummern noch weiter aufheben? Um das gefühl zu haben, viele leute zu kennen? Als ein noch nicht mal wirksames placebo gegen die alleinheit? Weg damit! Ob nun ich oder die andere person das geringe bedürfnis haben, die nummer des anderen zu wählen ist egal. Es ist überflüssiger datenmüll. Weg damit!

Nach der bereinigung der daten dämmerte mir der grund für dieses gewisse widerstreben beim löschen. Man könnte ja die nummer nochmal brauchen, lautet die rationalisierung. In wahrheit sponn man einst seine sozialen netze, ein wesentlicher aspekt menschlichen seins, und das kappen des letzten fadens zu einer person, ist das selbsteingeständnis für diese person keine bedeutung zu haben.

Das kratzt natürlich ein wenig am selbstwertgefühl, vor allem an einsamen mittwoch morgenden. Jeder abschluss mit der vergangenheit vergrössert die möglichkeiten der zukunft. Netze können auffangen doch auch gefangen halten.

Das ist der anfang. Die geister der vergangenheit müssen weg. Vielleicht war es der traum von meiner ex, der diesen gedankengang einleitete. Keine ahnung. ich muss semenne nachfeiern, zuvor die geister meiner vergangenheit ins bewusstsein holen, sie betrachten, aus mir lösen, ihre namen auf papier schreiben und verbrennen. Zeit für ein kleines abendliches feuer am see.

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