MySpace, MyBunker – bleib allein oder mach dich bunt.

Wenn ich eines nicht so recht verstehe, dann sind es private profile auf myspace. Warum melde ich mich auf einer solchen plattform an, wenn ich nichts über mich sagen möchte? Wie wärs mit einem portal mit dem namen MyBunker? Statt der meldung, dass 170 millionen leute zu meinem erweiterten netzwerk gehören, steht dann halt da: »Du bist allein.«

Auf MyBunker kann man keine nachrichten an andere benutzer schreiben. Es sind nur bilder von stacheldraht und barrikaden erlaubt und das einzige was man mit anderen benutzern machen kann, ist sie zu feinden machen. Die grundeinstellung für das eigene profil ist »unsichtbar« und nur ganz mutige schalten es auf »privat«.

Doch was ereifere ich mich über private profile bei myspace. Nicht-private profile sind oftmals wesentlich schlimmer. Unscharfe schnappschüsse des letzten besäufnis, animierte schmetterlinge mit glitter im hintergrund und darüber ins eigene profil eingebettet die 150 favorisierten youtube-videos. Als on das noch nicht schlimm genug wäre, brüllt der myspace-player irgendwas an musik, was man nicht hören will. So etwas im normalen leben würde schnell zur zwangseinweisung führen, oder schonmal erlebt, dass ein mensch als erstes den ghettoblaster vorholt und losplärren lässt – so zum kennenlernen.

Was derartige myspace-profile dann gänzlich unansehbar macht, ist dieser ganze pimp-your-profile-schrott in boshafter wechelwirkung mit den einträgen ins gästebuch. Fast erwachsene menschen, denen ein poesie-album gereicht bekommen betteln um aufmerksamkeit mit bunten, riesiegen und teils zu allem überflüss auch noch animierten kitschbildern. Und das laden hört nie auf. Selbstverständlich kann man auch da eine eigene slideshow oder ein blödes video einbetten.

Inhalt gibt es nicht mehr. Hauptsache es ist bunt, flackert und trötet vor sich hin. Die inline-elemente kommen auf ein transfervolumen zwischen 4 und 8 MB – das erhöht selbst über DSL die spannung und vorfreude auf das endergebnis.

Ich glaub ich hab heute zu viele derartige profile gesehen und leg mich noch ein paar stunden hin, das trauma abklingen lassen. Der zweite tag heute wird hoffentlich angenehmer.

Bei myspace kommt man sich wirklich meist vor, die der perlentaucher in der jauchegrube. Und perlen gibt es dort – die suche nach ihnen ist nur sehr nervenaufreibend.

Da ich

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  1. From Eine tagescollage aus augenblicken at Nachtgedanken on 01 Mai 2007 at 2007.120 03:03

    […] »Da ich« – was? Bin ich etwa beim schreiben eingeschlafen oder hat mein hirn wegen posttaumatischen stress seinen dienst versagt? So soll es stehen bleiben, auch wenn es mich wie krümel im bett stört. […]

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