Nächtlicher zwischenruf

Kurz nach vier – aufgewacht. Nschtimbiss und mal durchzappen, was so in der glotze läuft. Eine doku über die menschliche sexualtät, die mir nur wenig neue einsichten brachte. Ich vergleiche verliebtsein schon seit langem mit einem starken drogenrausch. In der doku wurde es mit kokain verglichen – das mag hinkommen. Und dementsprechend hart ist auch der entzug. Und auch das hormonelle problem, dass die meisten beziehungen nach etwa vier jahren zu bruch gehen, ist mir schon länger bekannt. Alles was vorher in die brüche geht – nun ja, da scheint die wirkung der droge nicht stark genug gewesen zu sein.

Die meisten scheinen nach der hollywood-hirnwäsche immer noch nicht zu raffen, dass das ganze zur arterhaltung dient. Der hormoncocktail, den wir beim verliebtsein im körper haben mag sich zwar angenehm anfühlen, doch schaltet er gewisse regionen des hirnes aus. Die folge ist eine wahrlich hirnlose einschätzung des gegenüber. Wenn der rausch dann nachlässt, kommen immer mehr unstimmigkeiten in der individual-kulturellen zusammensetzung des partners zum vorschein. Und ich nehme mal an, diesen unzulänglichkeiten des anderen, wird die schuld am versiegen des eigenen rausches gegeben.

Erklärung: Unter individual-kultur verstehe ich die persönliche kulturelle strategie eines menschen, soz. die menscheigenste ausprägung von kultur. Kultur betrachte ich als unscharf abgrenzbar in ihren wirkzusammenhängen. Wir haben lokale, regionale , länderspezifische und globale kulturitems. Kulturitems sind angewendete lebensäusserungen aus werten, tradierten handlungen etc. Jeder mensch entwickelt aus den ihm umgebenden kultursphären eigene sätze an kulturitems und modifiziert sie ggf. für das eigene leben. Als beispiele könnten die wichtigkeit von karriere oder naturverbundenes leben gelten. Kulturitems bestimmen also wie wir unser leben leben wollen.

Da die kulturitems jedoch erst nach der erzeugung der sucht durch das verliebtsein relevanz erlangen, dann überhaupt erst richtig sichtbar und wahrgenommen werden, können diese inkompatibiliäten auch erst dann, mit abschwächung des rausches zu tage treten. Zudem können sich die individualkulturellen items recht schnell ändern. Das sorgt für zusätzliche probleme. Man hat sich irgendwann auseinandergelebt.

Passen die beiden partner wirklich zusammen haben sie wirklich grosses glück gehabt. Ich schätze solche wirklich passenden konstellationen sind seltener als ein sechser im lotto. Wer also den traumprinzen oder die traumprinzessin sucht, sollte lieber lotto spielen und den gewinn in kokain invertieren.

Das verhältnis ist also gleich dem eines junkies und eines dealers, nur dass beide partner jeweils beide rollen einnehmen. Die immer schlechtere qualität des rausches, wird natürlich auf das rauschmittel zurückgeführt und nicht auf den gewöhnungseffekt der korpereigenen harten drogen im hirn.

Aber das nur nebenbei.

Vor einigen augenblicken freundete ich mich mit den etwas grösseren spinnentieren an. Beim nächtlichen gang auf die toilette begegneten wir uns im flur. Zu welcher art sie gehörte, kann ich nicht sagen. Da es ein sehr vorsichtiges tier war, stülpte ich über sie erstmal ein trinkglas und schob dann einen werbeprospekt drunter für den transport zum fenster (ich glaube draussen gibt es für eine spinne dieser grösse ein besseres nahrungsangebot als hier in der wohung).

Beim öffnen des glases am offenen fenster liess ich sie über meine hand laufen. Da hände schnell zuende sind, versuchte sie den weg am arm hinauf. Ich lenkte sie auf die andere hand und setzte sie dann auf der äusseren fensterbank ab. Sie winkte noch kurz und suchte sich ein schlupfloch.

Hoffentlich habe ich keine arachnophobiker unter meinen lesern. Früher hätte ich mich auch nicht getraut eine spinne auf die hand zu nehmen aber die erfahrung zeigt, dass die krabbeltiere hierzulande meist nichts tun.

Die nacht heute ist zwar schön ruhig, doch fehlt es meinem hirn an der notwendigen konzentration oder an kreativität, um diesen umstand zu nutzen. Die müdigkeit steckt noch in allen muskeln und knochen und vor allem im kopf.

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