Morgennotiz

Der erste blick aus dem fenster mutet postapokalyptisch an. Ein sonnendurchtränkter tag ohne menschen, einzig das verhaltene wedeln einiger lindenblätter im wind und die aufdringliche tiefe des eindrucks unterscheidet diesen ausblick von einem foto.

Einige sekunden starre ich nach draussen. Es tut sich nichts. Kein auto, keine strassenbahn kein mensch. Das blühende basilikum in meiner fensterbank zieht meinen blick auf sich. Blatt anfassen – noch zeit bis zum nächsten giessen.

Hatte nicht der wetterbericht wolken und regen für heute angesagt? Von links geht ein mann durchs bild, eine papiertüte, rot und gelb bedruck, mit etwa drei brötchen herinnen in der hand. Diese teuren sonntagsbrötchen habe ich mir lange nicht mehr geleistet. Wenn der bäcker noch offen hat, muss es früh sein. So richtig morgens. Das würde auch die leere strasse erklären.

Umweg zur kaffeemaschine, der abwasch in der spüle versperrt den zugang zum wasser für das heissgetränk. Ganz schräg mit der kanne geht es dann doch. Klick.

Das primärziel, die uhrzeit zu erfahren, verschiebe ich auf später, die blase drückt. Auf dem klo denke ich an rechnungen. Wann wird eigentlich save.tv wieder fällig? Und hat der rechner über nacht alle aufgezeichneten sendungen runtergeladen oder hat der router mal wieder schlapp gemacht? Warum habe ich nicht einfach die uhrzeit beim vorübergehen an der mikrowelle abgelesen? Kaum ein gerät hat eine weniger benutzte uhr als eine mikrowelle.

Frühstück. Offenbar hielt ich es gestern für eine gute idee die Ā»frisch gestricheneĀ« wand neben meinem bett mit edding und buntstift zu beschriften. Grosse schlanke glyphen warten auf ausgestaltung und fortsetzung. Dafür brauche ich farbe.

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