Szenen eines einkaufs

Rein in den laden, mit einer gehörigen portion seelenruhe die dinge betrachtet, die sich dort zutragen. Viel war nicht los – das ersparte mir glücklicherweise einen agoraphobieanfall. Doch an der kasse… Eingeschlangt, zwei vor mir. An der nebenkasse wurde eine ältere frau abgestellt. Ihr mann kommt mit einem 4er-becher schokopudding wieder – anscheinend vergessen -, beide drängeln sich in die schlange. Es geht weiter. Eine frau mit mann und kind, vollem einkaufswagen und einem hörknopf des mp3-players im ohr, macht sich bereit mit ihrem mann die ware aufs band zu legen. Dazu zückt sie ihr unterwegstelefon und ruft jemanden an.

Das verstehe ich nicht. In meinem kopf tun sich vergleiche auf: Wenn man mit seinem einkauf zur kasse kommt ist angerufen-werden schon etwa so lästig, wie ein wadenkrampf, wenn man vor einem hai wegschwimmt. Es ist – mir jedenfalls – ähnlich unwillkommen, wie ein penisbruch beim koitus, wie bei der OP aus der narkose aufwachen oder wie das abregnen einer vulkanischen staubwolke auf die gerade getrocknete wäsche. Auf die idee in einer solchen situation jemand anzurufen…

So packt dann auch er einen grossteil der einkaufswageninhaltes auf das band, während sie telefoniert und vermutlich auf dem anderen ohr noch musik hört – ich bekomme kopfschmerzen.

Jetzt sind die beiden alten dran. Beide packen ihren gemeinsamen handeinkauf aufs band. Er bleibt am ende des bandes stehen. Rührt sich nicht. Das band ist schon einen meter gelaufen. Er rührt sich nicht. Ich möchte meine sachen aufs band packen. Ich kann es nicht, denn er rührt sich nicht und steht im weg. Er merkt es nicht. Das band bewegt sich, er nicht. Ich sage nur:»entschuldigung…« – nicht unfreundlich aber bestimmt und kann förmlich sehen, wie sein geist aus weiter weiter ferne wieder in seinen körper zurückkehrt. Eine sekunde orientierung und er schlussfolgert richtig meine absicht und geht, das portemonaie schon in der hand zu seiner frau, die die ware verstaut und zur kassiererin, die auf den geldeingang wartet.

Solche meditativen momente sind selten im supermarkt. Ich packe meinen einkauf auf das band, arrangiere und sortiere einiges nach. So ein einkauf auf dem band muss ordentlich aussehen und optimiert aber sicher gepackt sein. Das ist so ein tick von mir. Ich weiss um das chaos, welches das sich vor dem scanner verjüngende band anrichten kann. Daraus entsteht wie der bei kollision zweier tektonischer platten ein gebirge. Ein gebirge aus waren mit schlimmen unordentlichen verwerfungen – schwer abzukassieren und bedrohlich aussehend.

Schlimm, wirklich schlimm so ein einkauf.

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