Von trendsport, musikinstrument, dingen und menschen

Sommerzeit – fliegenzeit. Und eine neue sportart ist geboren: Zehenfliegenklatschen. Einfach eine fliegenklatsche an den grossen zeh (oder an beide) des fusses tapen und die sportliche jagt kann beginnen. Es gilt die regel: Keine fliege unterhalb 1,50m klappen – das ist unfair und keine herausforderung. Erst der überkopfbereich ist interessant. Ein neuer trendsport. Wem nordic walking noch nicht bescheuert genug aussieht für den ist toe swatting (oder kurz TFF von toe fly flapping) genau das richtige. Ein freizeitspass für jung und alt. Die alternative. Gegen langeweile. Gesund und fit durch den sommer. Auch geeignet gegen mücken. Ohne chemie und naturidentische aromastoffe.

Was noch? Heute schlug völlig unerwartet, nach anderthalb jahren Claudia bei mir auf. Es folgt ein meterlanger gedankenstrich und ein fragezeichen.

Mit draussendunkeln erwachte in mir der schaffensdrang und ich werkelte weiter an der tonspur zum D.-projekt. Da waren mir noch nicht genug fear-frequencies drin. Etwas an filtern und effekten geschraubt, schon hörte es sich besser an. Und ich fand auch den resonanten subharmonie-generator wieder – oder wie sich das auch immer nennt, einige werden wissen, was ich meine. Doch all das war noch nicht zufriedenstellend. Erst das einspielen einer perkussiveren neuen spur ergänzte das bisherige material vortrefflich. Als instrument mikrophonierte ich einen zusammengeklappten wäscheständer (diese aus metallröhren und dicken draht als »leinen« zusammengeschweissten) seitlich mit der möglichkeit zur körperschallübertragung durch ein regalbrett.

Zuerst spielte ich das instrument mit einem kreuzschlitzschraubendreher und dann mit einem grössen löffel. Von meinem talent durchweg begeistert versuchte ich eine andere spieltechnik: Das anwerfen. Dazu wirft man – wie der name schon andeutet – gegenstände gegen den wäscheständer. Bücher, pfandflaschen, eine hand voll kugelschreiber, eine mouse, spiral-tastaturverlängerungskabel (DIN-stecker), akkus (AA-zellen zwischen 600 und 1200 mAh), einen leeren pappkaffeebecher, ein fahrradschloss, eine packung drehfilter und einen vollen zimtstreuer.

Ein wunderbares ergebnis. Nur noch abmischen und die grundlage für den schnitt ist fertig. Natürlich ist der tonteil des werkes damit noch nicht vollständig, aber das ganze bekommt schon wesentlich mehr umriss.

Zwischenzeitlich war die dritte ladung wäsche durch und ich brauchte mein neues instrument zum aufhängen. Die kopfschmerzen durch die ungläubliche anstrengung des spielens klangen bald ab.

Ganz oben im haus über mir, feierte jemand eine party. Durchgehend publikum um die volljährigkeit. Zuerst segelten erdnussflips aus dem fenster, dann pappbecher, speichel und schliesslich eine bierflasche. Schade, die weicheier hatten überhaupt kein durchhaltevermögen. Die logische folge wäre kotze und schliesslich menschen gewesen, was da noch hätte aus dem fenster fallen können. Aber nichts! Die waren so leise – ich hab noch nicht mal das ende der feierlichkeit gehört. Als ich noch jung war, da haben wir… zu viel… rettungswagen… spass… mindestens drei auf der intensivstation… 200kg zement von der baustelle… das rosenpestizid… fristlose kündigung… die reste aus den flaschen am nächsten morgen zusammengekippt und in den kaffee… vor dem klo ein bis zum rand mit galle gefüllter 5 liter-eimer… Ach ja, das waren schöne zeiten.

Rituale sind allgegenwärtig und wichtig, fügen sie doch eine beständigkeit der bestandlosen welt hinzu. Nur so nebenbei.

Tag fertig. Text fertig. Schlafen.

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