Bundestagswahl 2009 – Wahlkrämpfe I

Zu diesen bundestagswahlen ist der wahlkampf besonders öde, einfallslos und einfach nur beschämend für alle, die ihn führen. Es erwächst der eindruck, die parteien wollen gar nicht, dass jemand zur bundestagswahl am 27.09 geht. Und als feigenblatt dann diese überall quäkende aktion in der mir irgendwelche b- und c-promis erzählen, wie wichtig es ist wählen zu gehen.

Im briefkasten hatte ich bisher nichts. Kein parteiprogramm, noch nicht mal einen kleinen prospekt. Nichts – von keiner partei. Ich musste bekannte und familie bitten, alles für mich aufzuheben, was nach wahlwerbung aussieht.

Bis dahin muss ich wohl über das offen-sichtliche, bzw. das öffentlich-sichtbare schreiben: Plakate. Und die sind zu dieser wahl an dumpfer einfallslosigkeit kaum zu überbieten und dann auch noch in unglaublicher quantität an jeden laternenmast geknüpft. Das phänomen „fresse zeigen statt inhalt“, ist ja nun nicht neu. Neu ist jedoch der grad, in dem in diesen bildern photoshop-chirurgie zum einsatz kommt. Da wird entfaltet, geglättet, das spot-healing-tool an jeder pigmentstörung angewendet usw. Nur bei der FDP reicht es anscheinend noch nicht mal aus, die bilder durch etwas computermagie vom grauschleier zu befreien.

Und am besten fange ich mal bei der FDP an: An litfasssäulen prangen, gelb der hintergund, ganzkörperfotos der zweitstimmen-politkasper in gestellten posen, die in ihrer aufrichtigkeit irgendwo zwischen staubsaugervertreter und missionar einer psychosekte rangieren. Sowas ekeliges will man doch nicht wirklich wählen, oder?

Die SPD gibt vor (wahlversprechen halt) gegen alle misstände zu sein, an deren einführung ein gewisser kanzler schröder (ja, recht auf grossschreibung seines namens bei mir verloren) massgeblich beteiligt war. Und die zukunft soll sauberen energien gehören? Bin mal gespannt, wie sich der spin anhört, wenn sich die SPD in einigen jahren geschlossen für die inbetriebnahme neuer kernreaktoren aussprechen wird. Dann werden sie wieder von grosser sicherheit und alternativlosigkeit faseln. Verlogenes pack. Und BTW: Der grösste risikofaktor bei nuklearreaktoren ist der betrieb durch privatwirtschaftliche unternehmen. Denn dadurch wird die unsichtbare hand des marktes schnell zum supergau-finger, der durch die lande wandert und unschuldige kühe und menschen in den ionisierden strahlentod stubbst.

Und was steht da auf einem anderen SPD-Plakat? „Gesundheit darf kein Luxusprodukt werden“? Moment, welcher partei gehört Ulla Schmidt gleich an? Kürschners Volkshandbuch sagt SPD. Und hat diese frau Schmidt uns nicht mit der praxisgebühr und anderen strunz und die ärzte mit jeder menge neuen papierkram gesegnet und alles in die wege geleitet, dass gesundheit endlich ein luxusprodukt werden kann?

Kürschner gibt weiterhin auskunft, dass frau Schmidt schon 5 legislaturperioden, also etwas weniger als 20 jahre sich den arsch im bundestag platt sitzt. Und nach dieser zeit ist man vollends in die parallelgesellschaft unserer politiker-kaste integiert und verliert darüber schonmal den bezug zur realen welt der restlichen etwa 80 millionen menschen im land.

Die SPD ist mit der diskrepanz zwischen ihren aussagen und ihrer umgesetzten politik in den letzten jahren zu ihrer eigenen antimaterie geworden. Hoffentlich finden sich SDP und anti-SPD während der bundestagswahl und löschen sich mit einem kleinen „puff“ gegenseitig aus, denn viel materie ist da ja nicht mehr…

Was macht eigentlich die CDU? Keine ahnung. Die plakate von denen müssen so schlecht sein, dass ich sie komplett aus meinem bewusstsein ausblenden kann. Vielleicht entstehen durch die unbewusste aufbereitung der CDU-werbung während der nacht, diese merkwürdigen träume, die ich seit beginn des wahlkampfes habe.

Ist jemandem mal aufgefallen, dass die NPD-plakate immer ganz weit oben an den lampenpfählen hängen? Vermutlich haben die so viele fans und freunde, die die plakate abhängen und als wahl-souvenir mit nach hause nehmen. Oh sorry, ich will natürlich nicht von souvenir – so ein französisches unterwort hat natürlich im zusammenhang mit der NPD hier nichts verloren – sprechen, sondern lieber von Endkampf-Trophäe. Ach je, das kommt ja aus dem griechischen…

Auch die Linken geben sich kämpferisch. Jedenfalls las ich das beim schnellen vorbeifahren im bus von einem plakat. Ich glaube es waren die Linken und das wort „kampf“ war fast über das gesammte plakat gezogen. Den kontext konnte ich jedoch auf die schnelle nicht erkennen und ist mit ehrlich gesagt auch vollkommen gleichgültig. Auf einem anderen plakat „kämpft“ die SPD ja auch für arbeitsplätze. Bin ich auch dafür: Alle die einen politischen kampf austragen möchten, bekommen echte waffen und werden in einen raum eingesperrt, bis die differenzen beigelegt sind. Das wäre dann sogar politik, die ein RTL-zuschauer versteht: Der der den morgenstern in die fresse bekommen hat, muss wohl unrecht gehabt haben. Die unsichtbare hand des freien politikmarktes regelt auch das.

Es gibt noch viel zu diesem wahl-kampf zu schreiben. Wenn meine sammlung der fernsehwahlwerbespots etwas grösser geworden ist, werde ich darüber noch gesondert schreiben.

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  1. From Das bloggende Hannover » Blog Archiv » R├╝ckblick September 2009 on 29 Sep 2009 at 2009.271 01:13

    […] dass es ein interessanter oder gar mitreißender Wahlkampf gewesen wäre, nein, er war eher müde und öde. Er war so müde, dass das Internet selbst zu handeln angefangen hat, damit überhaupt […]

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