Deutschland geht es gut – und kaum einer freut sich

…so der titel eines älteren artikels der welt online, der mir grad ins TweetDeck gezwitschert wurde. Nach dem teaser ein vollbreites dpa-bild mit jemanden, der ein auto zusammenbaut. Ich muss kotzen, wenn ich nochmal in einer meldung über die deutsche wirtschaft jemanden sehen muss, der ein auto zusammenbaut.

Was soll die fordistische ikonenmalerei? Was hat das noch mit der lebenswirklichkeit in einer postindustriellen „nation“ zu tun, in der 2009 nur noch 19,4% der erwerbstätigen in einem produzierenden gewerbe (ohne baugewerbe) tätig waren?

Bild
Quelle: Statistisches Bundesamt

Ein bild sagt mehr und wirkt meist auch mehr als tausend worte. Und wenn zur illustration einer wirtschaftsmeldung obsolete nullbilder von autoschraubenden arbeitnehmern oder die auch gern verwendeten schnappschüsse von azubis in einem metallverarbeitetenden betrieb herangezogen werden, ist das nicht nur schelchter journalismus. Es zeigt zudem, wie starr und eingebrannt die bilder von wirtschaft und arbeit in deutschen köpfen sind: Deutschland ist auto und spanende metallverarbeitung. Bereits vor zehn jahren waren in deutschland mehr als doppelt so viele erwerbstätige in in dienstleistungsberufen beschäftigt, wie im produzierenden gewerbe(Datenreport 2002, Hg: Statistisches Bundesamt, Bonn 2002).

Anders gesagt: Es wird zwar unglaublich viel hergestellt, aber es braucht dafür kaum noch menschen. Und der rest wird importiert. Die meisten menschen sind mit verwaltung, verteilung oder anderen dienstleistungen beschäftigt. Die summe dieser vermutlich abstraktesten menschlichen tätigkeiten der geschichte in ein bild zu bringen zu wollen, scheint mir hochgradig nutzlos zu sein.

Warum es deutschland nun doch nicht gut geht, weil es dieses deutschland gar nicht gibt, dazu später mehr, wenn ich lust habe den o.g. artikel zu lesen und mich drüber aufzuregen.

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