Oma ist tot

Ein grund, warum ich wahrscheinlich noch so gefasst bin, ist, dass schon seit jahren parkinson und demenz meiner oma immer mehr ihre persönlichkeit raubten, immer mehr teile verloren gingen, die sie zu dem menschen machten, den ich in meiner kindheit kennen lernte und der noch einige jahrzehnte weggefährte in meinem leben sein sollte. Nach einem sturz gestern gings mit oberschenkelhalsbruch ins krankenhaus. Heute war die operation. Komplikationen, reanimationsversuche, tot.

Der anruf meiner mutter kam kurz vor der kaffee- und kuchen-zeit, diesen mittwoch, den wochentag, an dem ich sie noralerweise immer besuchte. Zunehmend über die letzten monate, erzählt sie mir bei den besuchen, wie wenig sie noch lust habe zu leben und hoffe, dass alles bald vobei ist. Solche verzweifelten gedanken drücken auf die seele. Auf die eigene und auf die seele derer mit denen man diese gedanken teilt.

Dass sich ihr körperlicher und gesitiger zustand noch einmal bessern würde, war unangebracht zu glauben, es sei denn man glaubt an wunder. Vor ihr lag ein hässlicher weg mit immer mehr einschränkungen im leben, im denken, in der erinnerung. Wie lang dieser weg gewesen wäre – keiner weiss es. Das leid jedoch wäre gross gewesen.

Sie hatte sich immer einen schnellen tod gewünscht und dass ihr dieser wunsch nun teilweise auch erfüllt wurde – so völlig anders als gedacht – lässt mich eine gewisse erleichterung fühlen. Eine tiefere realisation ihres todes hat bei mir noch nicht eingesetzt, ich fürchte mich vor dem einschlag. An einem besseren ort ist sie nicht, sie ist einfach nicht mehr.

Was bleibt ist ein zimmer mit dingen aus ihrem leben. Davon wird ein grosser teil vermutlich entsorgt, ein paar erinnerungsstücke und nützlichkeiten werden sich die verwandschaft und ich mitnehmen, vorher noch ein beerdigungsritual und das war es. Es bleiben erinnerungen und die erinnerungshilfen, die wir menschen uns geschaffen haben: Viele fotos, teilweise noch schwarz/weiss, ein paar neuere videos.

Oma ist tot und morgen ist das jahr zuende.

Comments 1

  1. Georg wrote:

    Tut mir wirklich leid. Wie sehr merkt man daran, dass einfach nichts so bleibt wie gewohnt. Das Gute, das Schlechte, am Ende ist dieser ganze Planet mit allem, was auf ihm kreucht und fleucht vergänglich. Aber selbst mit dieser Gewissheit lässt sich nichts anfangen, the show must go on, kurz innehalten und dann weiter und weiter, round an round and round, bis man selber nicht mehr ist.

    Mach’s gut,
    Georg

    Posted 30 Dez 2015 at 2015.363 18:33

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